Alle schulpflichtigen, wenn auch
entwicklungsverzögerten Kinder, werden seit dem Schuljahr 2005/2006 in der
Grundschule aufgenommen und beschult. Für die Förderung dieser
entwicklungsverzögerten Kinder sind Lehrerin und stundenweise eine Dipl.
Sozialpädagogin zuständig.
Die Dipl. Sozialpädagogin ist mit 20 Stunden an der
GGS Millrath tätig. Ihr Einsatz richtet sich vorrangig an
entwicklungsverzögerte, förderbedürftige Kinder und ist bezogen auf die
Förderung grundlegender Fähigkeiten wie Wahrnehmung, Motorik, Sprache und
Spiel. Die Förderung findet in kleinen Gruppen statt:
- als
Integrationsmaßnahme mit der ganzen Klasse
- mit einem Teil der
Klasse
- bei Bedarf im
Einzelkontakt.
Zu Beginn des Schuljahres wird von der
Sozialpädagogin eine Eingangsdiagnostik im Bereich „Phonologische Bewusstheit“
(ARS)* und „Mathematische Grundkompetenzen“ (Kalkulie)* mit allen
Schulneulingen durchgeführt, um möglichst frühzeitig den Bedarf einer Förderung
festzustellen. In Zusammenarbeit mit der jeweiligen Klassenlehrerin wird dann
für jedes Kind mit Förderbedarf ein Förderplan erstellt.
Jahresplan
Aufgrund der Sprachstandsfeststellung „Delfin
4“ wurde im Team der Lehrerinnen der Eingangsklassen beschlossen, einen
Jahresplan zu erstellen, der die dadurch bedingten Abwesenheitszeiten von Frau
Helfer mit berücksichtigt. Er wird in vier Phasen gegliedert.
1. Phase (von der Einschulung bis zu den
Herbstferien)
In dieser Zeit wird die o.g. Diagnostik mit allen
Schulneulingen der Eingangsstufe durchgeführt. Zudem hospitiert die
Sozialpädagogin in den Klassen, um einzelne Kinder zu beobachten und zu
unterstützen. Im Bereich Mathematik und Deutsch werden einzelne Förderstunden
in Kleingruppen für Kinder des 2. Schuljahres oder Kinder des 1.Schuljahres,
die im 2. Schulbesuchsjahr sind, nach Bedarf angeboten.
2. Phase (nach den Herbstferien bis zu den
Weihnachtsferien)
In dieser Zeit werden folgende Fördermaßnahmen
angeboten:
- Kinder, die bei der Eingangsdiagnostik und im
Laufe der ersten Schulwochen im Bereich Phonologische Bewusstheit und
Mathematik mit größeren Entwicklungsrückständen aufgefallen sind, werden
wöchentlich drei bis vier Stunden in einer Kleingruppe im Förderraum der
Sozialpädagogin gefördert. Kinder, die einen geringeren Förderbedarf haben,
erhalten wöchentlich ein bis zwei Förderstunden. Dazu erstellen Klassenlehrerin
und Sozialpädagogin zusammen einen Förderplan.
- Kinder, die mit Konzentrationsschwierigkeiten
aufgefallen sind, werden in der Kleingruppe mit dem „Marburger
Konzentrationstraining“* gefördert. Da es sich hierbei um ein
Kurzinterventionstraining von ca. 8 Wochen handelt, werden die Gruppen nach
Ablauf der Zeit getauscht. Nach Bedarf kann das Training in Einzelfällen auch
länger durchgeführt werden.
- Zur Förderung des Lernklimas, wird seit diesem
Jahr das „Verhaltenstraining für Schulanfänger“* von F. Petermann in jeder
E-Klasse einmal in der Woche durch die Sozialpädagogin durchgeführt. Zusammen
mit der jeweiligen Klassenlehrerin wird am Ende des Schuljahres beurteilt, wie
groß der Erfolg des Trainings war.
- Bei Kindern, die in
bestimmten Bereichen eine Einzelsymptomatik aufweisen, findet eine
Einzelförderung statt.
3. Phase (nach den Winterferien bis Start „Delfin
4“)
Nach den Winterferien werden in Zusammenarbeit mit
der Klassenlehrerin die Erreichung der Förderziele überprüft und ggfs.
neue Förderziele und -pläne erarbeitet.
Das Angebot an Förderunterricht entspricht dem der
2. Phase.
4. Phase (Start „Delfin 4” bis zu den Sommerferien)
In dieser Zeit wird sich die Sozialpädagogin
überwiegend mit der Sprachstandsfeststellung „Delfin 4“ Stufe 1 und Stufe
2 beschäftigen. Diese finden in den angrenzenden Kindergärten und teilweise in
der Schule statt. In der verbleibenden Zeit wird sie im Team mit der
Klassenlehrerin im Klassenunterricht sein, um schwächere Kinder dort zu
unterstützen oder einzelne Förderstunden anbieten.
Das Marburger
Konzentrationstraining
Bestandteile jedes Marburger
Konzentrationstrainings, unabhängig davon, ob es für Kindergartenkinder,
Schüler oder Jugendliche konzipiert ist, sind die folgenden:
- Entspannung
- Inneres Sprechen
- Förderung der
Wahrnehmung und Merkfähigkeit
Das Marburger Konzentrationstraining ist
ursprünglich als Aufmerksamkeitstraining für AD(H)S-Kinder konzipiert worden.
Das
Entspannungstraining soll helfen, Selbstbewusstsein aufzubauen, Vertrauen in
die eigenen Fähigkeiten zu vermitteln und selbstverständlich die
Konzentrationsfähigkeit zu steigern.
Das Innere Sprechen
dient der Aufmerksamkeitssteuerung und Handlungsplanung. Das Kind wird lernen,
sich selbst aufzufordern, seinen Blick gezielt auf die Dinge zu fokussieren,
die es bearbeiten muss. Außerdem lernt es durch inneren Dialog seine Arbeit
schrittweise zu organisieren und letztlich auch durchzuführen.
Förderung von
Wahrnehmung und Merkfähigkeit unterstützen selbstverständlich die
Konzentrationsfähigkeit. Je nach Durchführungsweise des Trainings – als
Gruppen- oder Einzeltraining – gehören dazu auch Spiele. Außerdem ergänzen
Arbeitsblätter zum Training der Sinneswahrnehmungen das Programm. In diesen
Arbeitsblättern sollen Muster ergänzt werden, Fehlerbilder bearbeitet werden,
ein Motiv aus einer Reihe von Motiven herausgefunden werden, Wege durch
Labyrinthe gefunden werden usw.
Dieses Programm
arbeitet verhaltenstherapeutisch orientiert mittels Modelllernen und positiver
Bekräftigung.
Kalkulie
Kalkulie ist ein
Diagnoseprogramm, zur Erfassung rechenschwacher Kinder von Schulbeginn an.
Untersuchungen zum Schuleingang belegen immer wieder, dass bereits
Schulanfänger über beträchtliche mathematische Kenntnisse verfügen, also viele
Vorkenntnisse besitzen. Demgegenüber stehen die Schulanfänger, die nur über
geringe Vorkenntnisse verfügen. Längsschnittlich angelegte Untersuchungen
wiesen nach, dass die Kinder mit geringen Vorkenntnissen, auch am Ende der
zweiten Klasse eher zu den schlechten Rechnern gehörten. Das bedeutet, dass
Kinder, die im Vorschulalter Rückstände in der Entwicklung ihres Zahlen- und
Mengenwissens aufweisen, ein erhöhtes Risiko haben, in der Schule
Schwierigkeiten im Rechnen zu entwickeln. Rückstände zu Schulbeginn sind also
sehr ernst zu nehmen.
Mit dem Programm Kalkulie werden die mathematischen
Kompetenzen erfasst, über die Kinder vom Schulbeginn bis zum Ende des zweiten
Schuljahres verfügen sollten. Es gibt drei Diagnoseteile, die bis zum Ende des
zweiten Schuljahres durchgeführt werden können. Da die Tests standardisiert und
normiert wurden, ist eine Aussage über ausreichende oder nicht ausreichende Kenntnisse
erleichtert worden, so dass mit den Testergebnissen und den Beobachtungen der
MathematiklehrerInnen über einen erhöhten Förderbedarf entschieden werden kann.
Kinder können somit in den Kompetenzbereichen, in denen ihre Schwächen liegen,
gezielt gefördert werden. Zudem kann anhand der Übersicht über die Leistungen
der gesamten Klasse eine Aussage über zu vertiefende Themen getroffen werden.