Wie frei ist der Autor?


Der so genannte "Freie Autor" ist meines Erachtens eine romantische Verklärung, geboren aus Unkenntnis und der Wunschvorstellung jener entsprungen, die glauben, dass ein Bestseller genügt, um seinem Verfasser ein finanziell sorgenfreies Leben zu ermöglichen.
Die Realität sieht jedoch anders aus. Umfragen belegen, dass diese Spezies sowie andere Künstler, die ausschließlich von ihrer Kunst leben, im Durchschnitt Einkommen erwirtschaften, die unter denen von Hartz IV - Empfängern liegen (Nein, hier soll keine neue unsägliche Debatte angeregt werden). Was mich betrifft, so beziehe ich bisher noch den Großteil meines Einkommens über meinen "Brotberuf". Bezüge, die von meiner Textarbeit stammen, machen zur Zeit gerade mal 5 - 10 % meines Nettoeinkommens aus. Vor nicht allzu langer Zeit lagen sie sogar bei höchstens einem Prozent. Die Steigerung kam nur deshalb zustande, weil ich inzwischen begonnen habe, Texte nach Auftrag zu verfassen, also über Themen schreibe, die mir als freiem Schriftsteller wohl nicht in den Sinn gekommen wären. Eine durchaus zweischneidige Angelegenheit, wie ich zugeben muss. Denn natürlich hat das den Ruch, die eigene Seele zu verkaufen. Andererseits profitiere ich durchaus davon, wenn ich Auftragsarbeiten verfasse. So komme ich auf Themen, mit denen ich wohl sonst nie zu tun gehabt hätte, was meinen geistigen Horizont erweitert und mich möglicherweise auf Ideen für Geschichten bringt. Zudem gibt mir das Auftragsschreiben die Gelegenheit, mich mit den realistischen Bedingungen des Schriftstellerlebens auseinanderzusetzen. Denn ein Autor, der nun nicht gerade einen Bestseller nach dem anderen veröffentlicht, wird sich, will er denn sein Leben einigermaßen fristen, immer wieder gezwungen sehen, über Dinge zu schreiben, die ihn zunächst einmal gar nicht interessieren (manchmal liebe ich Schachtelsätze). Da ist es mit der Freiheit also gar nicht so weit her, finde ich. Und wer (wie ich) zudem einer anderen Erwerbstätigkeit nachgeht, arbeitet sowieso fremdbestimmt. Dafür verdanke ich diesem "Brotberuf" wiederum die Möglichkeit, Auftragsarbeiten, die mir nun völlig gegen den Strich gehen, abzulehnen. Ob ich dazu in der Lage wäre, wenn ich ausschließlich vom Schreiben leben müsste, mag ich doch bezweifeln. Schriftstellerische Freiheit ist meiner Meinung nach eigentlich nur in den Zeiten zu erleben, in denen sich der Autor seinem -ich nenne es jetzt mal "Herzensprojekt"- widmen kann.